Google straft deutsche Link-Marktplätze Teliad & Rankseller ab

Google straft deutsche Link-Marktplätze Teliad & Rankseller ab 4.42/5 (88.33%) 12 votes

Wie bereits im März diesen Jahres, hat Google mal wieder bekannte deutsche Linknetzwerke abgestraft. Allerdings sollte man meiner Meinung nach zwischen der Penalty gegen efamous und den aktuellen gegen teliad und Rankseller unterscheiden, womit ich auch gleich die von Johannes Mehlem, seines Zeichens Mitarbeiter des deutschen Google Search Quality Teams, gewählte Überschrift, relativiere. Denn bei den beiden letztgenannten handelt es sich nicht im direkten Sinne um Linknetzwerke die abgestraft wurden, sondern um Self-Service-Marktplätze für Backlinks. Aus den anfänglichen Spekulationen in den sozialen Netzwerken und einschlägigen Blogs und den nach und nach ans Tageslicht tretenden offensichtlichen Merkmalen, wie der Nichtauffindbarkeit der eigenen Unternehmensseite in den Suchergebnissen.

Google+ Stream zur Abstrafung von deutschen LinknetzwerkenAbb.01: Google+ Stream zur Abstrafung von deutschen Linknetzwerken

Warum hat es Link-Marktplätze für Backlinks getroffen?

Eigentlich sollte der Hauptgrund, warum Google diese tut jeden Leser bekannt sein. Google straft mit diesen Maßnahmen diejenigen Webseitenbetreiber ab, die gegen die Google Webmaster Richtlinien verstoßen. Und zu diesen Verstößen gehört unter anderem das Verbot des Verkaufes (oder Vermietung) von Links. Da hiermit immer noch signifikant Rankings bei Google manipuliert werden können, greift Google hier seit einigen Jahren mittels den Penguin-Updates und solchen manuellen Maßnahmen immer stärker durch. In dem ein oder anderen Blogbeitrag von gestern waren dann nicht überraschend Kommentare zu finden die dieses Vorgehen gegen die beiden nun betroffenen Link-Marktplätze falsch finden, da diese lediglich eine „Vermittlerrolle“ einnehmen und nicht selbst Links setzen oder Linknetzwerke verfügen. Wobei ich diese Aussage mal so im Raum stehen lassen möchte und lieber keine Spekulationen befeuere. Auch wenn Google solchen Märktplätzen durch seinen Algorithmus erst ermöglicht hat, sind diese dennoch die Marktplätze der Grund dafür, dass die Backlinks dieser Anbieter überhaupt erst entstanden sind. Denn Sie haben Advertiser und Publisher überhaupt erst zusammen gebracht. Das der unnatürliche Aufbau von Backlinks selbstverständlich auch über andere Wege passiert und wesentlich mehr als nur diese beiden Link-Marktplätze existieren sollte klar sein. Die Frage warum aber ausgerechnet diese Beiden betroffen sind, hat sicherlich auch mit der Strategie zu tun, mit der Google diesbezüglich vorgeht. Bekannt und relevante Größen abstrafen, u. U. wie im März an den sozialen und digitalen Pranger stellen.

Wir können an dieser Stelle lediglich bestätigen, dass die teliad-Webseite vorübergehend nicht mehr über Google-Suchanfragen zu finden ist… Lediglich bei ca. 1 % unserer Kunden haben wir signifikante Bewegungen von PageRank oder Sichtbarkeitswerten in beide Richtungen feststellen können.

Die „Folgeerscheinungen“ basieren auf den psychologischen Eigenschaften unserer Spezies, wodurch dann wiederum eins zum anderen führt. SEO’s und Online-Marketeers schreiben & diskutieren online darüber und ein Bruchteil möglicher Betroffener wird höchstwahrscheinlich gleich zum Link-Marktplatz seines Vertrauens gehen und Links abbauen. Anderen Link-Marktplätzen bleibt diese Maßnahme sicherlich nicht verborgen, so dass auch dort das Vorgehen von Google genauestens beobachtet wird. Nicht selten wird dort allerdings reagiert und nicht proaktiv agiert, da natürlich ihr Geschäftsmodell zu großen Teilen oftmals davon abhängt. Die Erfahrung zeigt, dass dieses Vorgehen allerdings nicht selten noch härter Bestraft wird bzw. könnte. Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber diejenigen die sich stets darüber aufregen was Google tut oder nicht tut, verschenken meiner Meinung nach Energie, die besser genutzt werden könnte. Denn wer im „Google-Spiel“ mitspielen will, muss die Regeln des Hauses beachten. Das ist wie im „Offline-Leben“ auch ;o)

Was bedeutet diese Google Penalty für Link-Marktplätze mit Fokus auf Backlinks?

Auch wenn die beiden genannten „Vermittlerplattformen“, keine Linknetzwerke im klassischen Sinne darstellen, tragen sie in entscheidendem Maße an unnatürlichem Linkaufbau bei. Unter dem Aspekt eine größtmögliche Wirkung mit verhältnismäßig geringem Aufwand zu erzielen, stellt diese Maßnahme auch in dieser einen logischen Schritt dar. Denn nun werden sicherlich auch Advertiser und Publisher sich mit der Thematik beschäftigen, wozu auch die Beurteilung der Risiken gehören wird. Und ganz ehrlich, kaum ein Unternehmen kann es sich erlauben ein solches Risiko eingehen, selbst abgestraft zu werden. Da nicht wenige Unternehmen eine hohe Abhängigkeit von Google besitzen, wodurch diese Problematik für die Betroffenen an Brisanz gewinnt, sollte ein solcher Schritt immer wohl überlegt sein. An dieser Stelle muss ich immer häufiger an das Argument denken, welches auch Karl Kratz kürzlich in einem seiner Artikel noch einmal aufgegriffen hat, das fehlende Risiko-Management für das Unternehmens-Marketing und das Online Marketing im Speziellen nicht aus den Augen zu verlieren und dazu gehört eben auch eine hohe Abhängigkeit von einem Player, der die Regeln vorgibt, zu vermeiden (siehe Zitat).

Wenn ein Unternehmen den größten Teil seines Umsatzes auf der Basis der Neukundengewinnung über organische Suchmaschinen-Besucher der Firma Google macht, dann ist das regelmäßig ein fahrlässiges betriebswirtschaftliches Risiko.

Auch wenn, wie in der Stellungnahme von teliad (siehe SEO-United) zu lesen ist, bisher nur knapp 1% der Kunden betroffenen ist – es muss nicht bei dem einen 1% bleiben. Als SEO optimiert man ja auch nicht immer gleich alle Produkte eines Shops gleichzeitig, sondern identifiziert und optimiert die relevanten Produkte. Und wenn die Maßnahmen fruchten, werden diese auf die gesamte Produktpalette ausgerollt, womit dann auch der Longtail bedient wird. Das Google allerdings sämtliche Publisher und Advertiser abstraft ist eher unwahrscheinlich, da hierzu auf der einen Seite sämtliche Partnerschaften bekannt sein müssten und der Aufwand für Google dann natürlich auch auf einem anderen Niveau wäre, als wenn man sich einen 1% angehen müsste. Zudem sind solche Backlinks ohne eine mögliche Kundenliste, kaum dem jeweiligen Link-Marktplatz zuzuordnen. Und da Teilnehmer solcher Plattformen nicht so leicht über ein JavaScript-Snippet als Identifikationsmerkmal zu analysieren sind, wie bspw. beim Google Adsense Code, ist eine generelle Abstrafung aller Teilnehmer eher unwahrscheinlich. Die Frage die sich den Teilnehmern nun stellt ist, gehe ich das Risiko einer Abstrafung ein oder nicht und riskiere damit mein Business. Daher ist es um so wichtiger jegliche Warnungen von Google in den Webmaster Tools auf dem Radar zu haben, um ggf. mit einem Reconsideration Request rechtzeitig auf die warnung reagieren zu können. Auch wenn man diese Nachricht zu Unrecht erhalten sollte, bleibt einem eine detaillierte Analyse der eigenen eingehenden und ausgehenden Backlinks der eigenen Projekte nicht erspart.

Wie ist Eure Meinung zum Thema Link-Marktplatz?

Ist es Euch egal, da ihr keine Teilnehmer solcher Link-Marktplätze seid? Oder löscht ihr Eure Accounts oder empfehlt es Euren Kunden, da ihr das Risiko lieber nicht eingehen möchtet zu den 1% der Betroffenen zu gehören und somit in den „Genuss“ der Auswirkungen dieser Maßnahme von Google zu kommen. Oder hofft ihr darauf nicht erwischt zu werden und belasst es bei allem? Außerdem würde mich interessieren, ob Ihr diese Strafe für gerechtfertigt haltet oder nicht?

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Über den Autor

Heiko
Heiko Stiegert () ist als Senior SEO Consultant für den Auf- und Ausbau der SEO- & Online-Marketing-Strategien innerhalb der mediaworx berlin AG verantwortlich. Sein Hauptaugenmerk liegt hierbei in der Erstellung von Analysen, dem Entwickeln von langfristig und nachhaltig angelegten Konzepten zur Erreichung der Marketing- & Vertriebsziele.

4 Kommentare zu "Google straft deutsche Link-Marktplätze Teliad & Rankseller ab"

  1. Moin Heiko, erst einmal super Artikel und fachlich sauber aufgearbeitet. Ehrlich gesagt sehe ich das Thema ein wenig zwiegespalten. Ich hatte dazu selbst gestern einen Artikel geschrieben: http://www.blog.onpagedoc.com/google-penalty-gegen-rankseller-und-teliad/

    Einerseits finde ich die Abstrafung gerade von Rankseller mehr als ungerechtfertigt (aus Betreibersicht der Seite), denn hier wurden keinerlei Links verkauft oder vermietet, sprich die Seite selbst hat niemals gegen die Guidelines verstoßen. Wenn Google nun auch Websites abstraft, die Linkbuilding „fördern“, dann müsste man jeden Blog mit Anleitungen dazu genauso behandeln.

    Andererseits ist es auch wieder irgendwie konsequent, denn so dämmt man die Manipulation durch Backlinks wieder ein. Gerade kleinere Unternehmen oder Projekte mit schmalem Budget können sich kein umfangreiches Blogmarketing leisten und haben (mal wieder) das Nachsehen.

    Egal wie man es dreht, für mich gibt es nur eine optimale Stellschraube, an der Google endlich drehen sollte: die Bedeutung der Backlinks massiv herunterzusetzen. Danach brauch man auch kein Linkbuilding mehr bestrafen, weil es schlicht nichts mehr nützt. Yandex macht das schon seit einiger Zeit so.

    VG aus Hamburg,
    Ronny

    • Hallo Ronny,

      auch wenn ich die Bedenken verstehen kann, bilden solche Plattformen die Grundlage für Maßnahmen die gegen die Richtlinien verstoßen – Links zu kaufen oder zu vermieten. Das es dieses Vorgehen auch ohne solche Plattformen geben würde und auch vorher bereits in unglaublichen Maße gab, kann ich die Strategie von „Big G“ durchaus verstehen, da die Möglichkeit so wesentlich größer ist an das Bewusstsein der Nutzer zu appellieren. Erstens weil die Wahrscheinlichkeit der Reichweite der Wahrnehmung dieser Maßnahme wesentlich größer ist und sich somit die „Angst“ vor Strafen von (fast) von ganz allein ausbreitet, als wenn gezielt einzelne Blogger oder Seiten bestraft werden würden.

      Das Google mit der Bedeutung von Verlinkungen im eigenen Algorithmus überhaupt erst die Grundlage für solche Märkte geschaffen hat steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber auch hier sehe ich es als durchaus legitim an, „Regeln“ die einmal galten, wieder anzupassen.

  2. Was ein Drama wieder… und jeder in der SEO-Branche in der DACH-Region wusste, dass teliad und RankSeller die nächsten Opfer sein würden. Die kleinen Unternehmen, die ihr SEO selber machen, haben jetzt das Problem. Die haben keine Ahnung, was passiert ist und wie sie wieder aus der Abstrafung entkommen.

    Also: Für die SEO-Branche top. Aber: Alle SEO-Agenturen, die bei teliad & Co. eingekauft haben, sind für mich ohnehin keine seriösen Anbieter.

    Ich glaube nicht, dass das Problem darin besteht, dass Google Links als Grundlage verwendet. Denn dann kann ich genauso sagen, dass Social Media als Grundlage noch 10 mal dümmer wäre. Klar, der Algo hat jede Menge Verbesserungspotenzial, aber keiner macht es besser. Außerdem bin ich in den meisten Branchen doch sehr zufrieden mit den Top 10 😀

    Mein Tipp für die ganz Schlimmen: Wenn man schon so etwas macht wie teliad & Co, dann lieber ein wenig diskreter auch wenn man damit weniger Kunden hat. Dann verlangt man halt mehr für die Dienstleistung. Kinderleichte Registrierung ist halt doch nicht sooooooo clever.

  3. Und Teliad heißt jetzt SeedingUp und stampft sein Geschäftsmodell unter neuem Namen erneut aus dem Boden.
    Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis die neue Seite wieder verschwindet…
    Ansonsten haben entgegen der landläufigen Meinung weder Käufer noch Verkäufer Rankings verloren, lediglich die Seiten der Marktplätze selbst wurden abgestraft.

    LG

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