Stiftehersteller im SEO-QuickCheck – Teil 3

Stabilo im SEO-Quick-Check

Vom größtenteils direkten Vertrieb über Groß- und Einzelhändler, hin zu einer direkten B2C-Strategie. Eine Aufgabe der sich zunehmend mehr Unternehmen stellen. So getan auch von dem im mittelfränkischen Herolsberg ansässigen Unternehmen Stabilo. Da Endverbraucher die Online- und Offline-Kanäle gleichermaßen nutzen, um sich über Stabilo-Produkte zu informieren und diese käuflich zu erwerben, hat sich Stabilo dazu entschlossen, mit einer neu gestalteten Website und einem Online-Shop die Erwartungen der Endkunden an eine moderne Marke zu erfüllen. So soll die Website dem Besucher ein digitales Erlebnis mit der Marke vermitteln und so für stärkere Kaufanreize sorgen.

Aber spiegelt sich diese strategische Hoffnung, die mit dem Relaunch der Website verbunden war, auch in der Reichweite über den Kanal Suchmaschine wider? Dieser Frage wollen wir uns heute im dritten Teil einer 3-teiligen Artikelserie widmen.


Technical SEO-Seminar Berlin >> Jetzt informieren

Stabilo – Der SEO-Quick-Check

Auch wenn man anhand eines Sichtbarkeitsindex nicht unbedingt auf Erfolg und Misserfolg von Maßnahmen schließen kann, kann man dennoch sagen, ob die Potentiale genutzt wurden. Würden wir uns jetzt aber mal direkten Vergleich der drei Stiftehersteller Faber-Castell, Staedtler und Stabilo (rote Kennlinie) ansehen, muss man sagen das Stabilo die geringste Sichtbarkeit aufweist und das seit Jahren.

Entwicklung der Sichtbarkeit von Stabilo im Vergleich zu Faber-Castell und StaedtlerAbb.02: Entwicklung der Sichtbarkeit von Stabilo im Vergleich zu Faber-Castell und Staedtler

Da die Sichtbarkeit der Domain in den letzten 8 Jahren auf recht niedrigem Niveau verharrt und vor allem in den letzten drei Jahren keinerlei positive Entwicklung aufzeigt, liegt die Vermutung nahe das die Domain hauptsächlich für Brand-Keywords Rankings aufweist. Ob sich diese Vermutung bestätigt und was dafür verantwortlich ist, sehen wir im weiteren Verlauf dieses Artikels.

Bei knapp 3000 indexierte Seiten für den deutschsprachigen Bereich der Domain (Shop + de-Sprachordner) generiert diese mehrsprachige Website etwas mehr als 1350 Rankings, wobei ca. 15% davon sich bei Google auf der ersten SERP wiederfinden. Bei der Entwicklung der Sichtbarkeit der Domain der letzten 8 Jahre verwundert es nicht, dass dies primär Brand-Keywords sind.

Entwicklung der Sichtbarkeit von Stabilo im DetailAbb.03: Entwicklung der Sichtbarkeit von Stabilo im Detail

Für Suchanfragen wie „zeichnen lernen“ (SV 18.100), „malen lernen“ (SV 5.400) oder „schreiben lernen“ (SV 2.900) erzielt diese Domain kein einziges Ranking. Unser Kollege Martin Mißfeldt hingegen ist mit Grundlagenartikel zahlreich vertreten. Beim Blick auf die Anzahl an URLs die Top-100 (rot) bzw. Top-10 Rankings (blau) generieren ist auffällig, dass zu Beginn 2014 ein Anstieg zu verzeichnen ist. Die Verzeichnisstruktur gibt hierfür den entsprechenden Hinweis (siehe Abb.05).

Entwicklung der Rankings von StabiloAbb.04: Entwicklung der Rankings von Stabilo

Denn dort ist zu erkennen, dass die aktuellen Verzeichnisse im Ende 2013 zum ersten mal Rankings generierten. Das lässt den Rückschluss zu, dass die Webseite zu diesem Zeitpunkt zumindest von der URL-Struktur her, einer Veränderung unterzogen wurde. Auch wenn diese Verzeichnisse bereits vorher mit HTTP Rankings erzeugt hatten, die aktuelle Verzeichnisstruktur, ob mit oder ohne HTTPS, gibt es seit ca Ende 2013.

Entwicklung der Top-VerzeichnisseAbb.05: Entwicklung der Top-Verzeichnisse

Der meiner Meinung nach viel wichtigere Aspekt in Bezug auf die Verzeichnisstruktur ist allerdings der, dass die Verzeichnisse seit nunmehr knapp 2,5 Jahren keinerlei Steigerung hinsichtlich Rankings zu verzeichnen sind und das auf weiterhin niedrigem Niveau. Warum dies der Fall ist, werden uns die relevanten Seiten-Typen zeigen (Kategorie-, Unterkategorie- und Produktseiten).


Bitte gib eine gültige Mailadresse an.

Die Kategorie- und Produktseiten

Ein Blick auf die Produktseiten lässt eine erste Vermutung zu (siehe Abb.06). Hierzu mal ein kurzer Blick auf einen Auszug der Inhalte dieser Produktseite:

  • mit praktischem Öffnungsmechanismus
  • Holzgefasster Buntstift in ergonomischer, kindgerechter Dreiecks-Form.
  • In langer und kurzer Ausführung.
  • Minendurchmesser 4,2 mm.
  • Intensive Farbabgabe.
  • 18 brillante Farben – einzeln in Sets ab 6 Farben erhältlich.

Eigentlich müsste man jetzt eine kleine „Pause“ machen um den Content „wirken“ zu lassen!

Ich sage an dieser Stelle nur noch einmal – „die Website soll dem Besucher ein emotionales digitales Erlebnis bieten“. Ganz ehrlich, selbst die Versandbedingungen sind emotionaler! Nicht ein Wort dazu, wofür die Stifte geeignet sein! Klar zum Malen und zum Zeichnen, aber für welche Materialen sind sie besonders geeignet? Kein Bilder oder Videos von Kindern oder Erwachsenen die damit gemalt oder gezeichnet haben. keinerlei Nutzerbewertungen oder irgendein anderes Userfeedback zum Produkt. Stattdessen gibt es Produktbeschreibungen wie „intensive Farbabgabe“. Ehrlich?

Produktseite im DetailAbb.06: Produktseite im Detail

Das solche Produktinhalte auch nicht zu sonderlich erfolgreichen Rankings führen, zeigt die folgende Abbildung. Lediglich eine Handvoll Top-Rankings. Nicht überraschend – alles Brand-Keywords! Diese „inhaltliche Schwäche“ führt durch seine Quantität an Zeichen dazu, dass selbst andere Sprachordner wie die fr Österreich, die Schweiz oder auch Großbritanien Rankings bei Google Deutschland generieren. Wer in diesem Bereich auch für etwas generischere Keywords mit etwas mehr Suchvolumen, die sich eher auf Haupt- oder Unterkategorieebene wiederfinden, erfolgreich sein will, sollte sich hinsichtlich der Inhalte auf den Seiten doch ein wenig mehr Gedanken machen bzw. etwas mehr Kreativität investieren.

Top-Rankings im Produkt-BereichAbb.07: „Top-Rankings“ im Produkt-Bereich („Eingangsbereich“ zum Shop)

Ein Blick auf genau diese Kategorietexte zeigt leider genau diese fehlende Kreativität auf. Kein Wunder warum der Produkt- und Shopbereich keine Rankings generiert. Lieblos verfasste – ja ich muss diesen Begriff jetzt verwenden – „SEO-Texte“. Das diese auch noch ganz weit unten auf den Produktseiten platziert wurden, zeigt deren Bedeutung. Und ganz ehrlich, bei 210 Worten 16 mal das primäre Keyword unterzubringen, muss einen Redakteur eigentlich schon eine Menge Überwindung kosten.

SEO-Footer-Content in ProduktkategorienAbb.08: „SEO-Footer-Content“ in Produktkategorien

Schade eigentlich, denn die Begeisterung die solche Schreib- und Maluntensilien bei Kindern und Erwachsenen auslösen können, sollte man auch auf die Inhalte im Produkt- und Shopbereich übertragen können. Aber irgendwie haben es die getesteten Stiftehersteller Faber-Castell, Staedtler und Stabilo meiner Meinung nach nicht geschafft die Potentiale heben zu können und diese dann für die eigene Content-Marketing-Strategie nutzen zu können. Engagement auf und mit den Seiten findet wenig statt bzw. kann wenig stattfinden. Und das trotz recht aktiver Facebook- oder Instagram-Accounts, mit wirklich interessanten und sehenswerten Inhalten. Eigentlich sind der Kreativität der Unternehmen keine Grenzen gesetzt. Der extra für User-Engagement geschaffene Bereich mit Mal- & Bastelspielen ist zwar ein guter Ansatz, aber aus SEO-Sicht kommt hierbei nicht viel bei rum.

Mitmach-Bereich fuer KinderAbb.09: Mitmach-Bereich für Kinder (hohes Engegamentpotential)

Keinerlei interessante Rankings (siehe Abb.10) und somit auch kaum eine relevante Reichweite über diesen so nachhaltigen Online-Kanal. Schade eigentlich, denn der Wettbewerb ist hier teilweise wesentlich weniger kompetitiv und interessanter Weise innerhalb der Customer-Journey den Kaufprozess vorgelagert. Wie man dies für die eigene Marke nutzen könnte, überlasse ich jetzt mal Eurer Phantasie ;o)

Entwicklung der Rankings des Mitmach-Bereiches fuer KinderAbb.10: Entwicklung der Rankings des Mitmach-Bereiches für Kinder

Zur Frage, die sich in diesem Zusammenhang sicherlich der ein oder andere Projektverantwortliche stellt – nein, es muss nicht für jeder Seite diese Aufwand für Inhalte betrieben werden. Denn bei den meisten Unternehmen werden mit 20% des Aufwandes, 80% der Ziele erreicht. Dieses Prinzip (Pareto-Prinzip) hilft Verantwortlichen Ressourcen besser zu planen und was eigentlich fast noch viel wichtiger ist, zu priorisieren!

Fazit

Wie bereits in einem der vorangegangen Artikeln dieser Serie erwähnt, sind Google & Co. längst in der Lage, die semantische Zusammenhänge zwischen Malen und Stiften herstellen zu können. Zahlreiche Marken haben dies bereits vor Jahren erkannt und nutzen dies bereits seit Jahren. Ob die Hersteller von Sportartikeln oder Autos, die die Begeisterung vermitteln die ihre Kunden mit ihren Produkten verspüren. Oder die Hersteller von anderen Alltagsgeräten wie beispielsweise Pfannen oder Grills.

Die Unternehmen konzentrieren sich bei der Produktpräsentation daher nicht auf das Produkt selbst, also die übliche Produktbeschreibung (siehe oben), sondern darauf was mit den Produkten machen kann und welche Begeisterung diese auslösen können. Das wichtige dabei ist, diese Emotion zu zeigen!

Und auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole – malen, zeichnen und schreiben macht unglaublich viel Spaß und Freude.

Natürlich sind bei der Präsentation der Produkte die Produkteigenschaften immens wichtig, aber die Begeisterung die sie auslösen, sind es nicht minder. Und auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole – malen, zeichnen und schreiben macht unglaublich viel Spaß und Freude. Wer diese Begeisterung bei seinen Kunden entfachen möchte, da sie aus Erstkäufern gern „Wiederholungstäter“ machen wollen, sollte dies auf den relevanten Touchpoints für den Kunden auch zeigen.

Auch wenn Stabilo Mal-Apps anbietet, die Webseite nutzt diese Chance nicht in dem Rahmen, wie sie es könnte. Zumal innerhalb der Recherchephase des Nutzers (bspw. informationale oder transaktionale Suchanfrage) nicht eine App und deren Nutzung die ideale Anlaufstelle ist, sondern die entsprechende Landing- oder Produktpage. Dafür sollten sich Unternehmen, mehr Gedanken über die Qualität des Contents an diesen Touchpoints machen, als auch über die Online-Strategie machen, die diese Inhalte erreichbar werden lassen soll.

Ähnliche Artikel:

Stiftehersteller im SEO-QuickCheck – Teil 3
5 (100%) 4 votes
Heiko Stiegert
Heiko Stiegert ist Head of Performance-Marketing der mediaworx berlin AG. Als Online Marketing Consultant berät er Unternehmen vom StartUp bis hin zu weltweit agierenden Unternehmen. Als Marketeer der seinen Job bei mediaworx seit über 13 Jahren mit Leidenschaft ausfüllt, liegt sein Fokus auf Marketing-Automation, Suchmaschinen- und Content-Marketing. Zudem schreibt er als Buchautor und Blogger bereits seit über 12 Jahren für diverse Online-Blogs und Fachmagazine.
You may also like
Fernbus-Webseiten im SEO-Vergleich
Employer Branding - Der erste Eindruck zählt
Employer Branding trifft SEO: Suchmaschinenoptimierung für HR

Deine Meinung ist gefragt

Deine Meinung*

Dein Name*
Deine Seite