Die Zukunft von AMP

Zukunft von AMP

Wie im letzten Artikel zum Thema „5 AMP-Plugins für WordPress im Vergleich“ erwähnt, ist die Entwicklung von AMP kaum zu bremsen. Björn Staven, Gründer von ‚AMP it up!‘, erklärte sich netterweise dazu bereit, seine Einschätzung zur weiteren Entwicklung von AMP abzugeben:

SEOCouch: Herr Staven, als Entwickler eines eigenen AMP-Plugins für WordPress, sehen Sie vermutlich Potential für AMP. Würden Sie das für uns bitte präzisieren?

Björn Staven: Ich halte die Idee hinter dem AMP-Projekt für einen guten Ansatz. Wir bewegen uns immer mehr mit mobilen Geräten im Internet, viele Nutzer haben sogar schon gar keinen eigenen Desktop-PC, Laptop oder Notebook mehr. Auch wenn an vielen Stellen noch immer davon gesprochen wird, dass die Mobilenutzung steigt, was ja faktisch auch richtig ist, aber beim Erwähnen emotional noch immer so weit weg klingt, als würde Mobile erst bald den Durchbruch erhalten und dann den Markt dominieren. Dabei ist das „bald“ schon längst erreicht, inzwischen werden viele Webseiten schon eher mit dem Smartphone als mit dem Desktop besucht.

„Akkulaufzeit, Bandbreite oder verfügbares Datenvolumen o.ä. [sind] begrenzt“

Das Mobile-Zeitalter ist also schon eingeläutet! Man muss sich nur mal selbst beobachten was man inzwischen schon alles über das Smartphone regelt und man vor allem auch im Privatleben kaum noch Kontaktpunkte mittels Desktops hat. Als Websitebetreiber sollte man daraus wichtige Rückschlüsse ziehen. Webseiten müssen heutzutage vorrangig mobile Metriken bedienen, mit „Mobilenutzung“ verbinden viele jedoch nur die „Smartphone-Nutzung“, die „Mobilenutzung“ wird sich aber sicherlich noch weiterentwickeln und zukünftig nicht mehr nur mit Smartphones verstanden sein, ich denke da z.B. an die Entwicklung von Wearables u.ä..
Was aber auch immer jetzt und zukünftig unter „Mobile“ verstanden wird, so denke ich, wird es erst mal immer um Geräte gehen, dessen Ressourcen wie Akkulaufzeit, Bandbreite oder verfügbares Datenvolumen u.ä. erstmal noch begrenzt sein wird. Dabei denke ich nicht nur an Länder und Regionen die gut vernetzt sind oder seien werden, sondern auch an abgelegene Orte in denen die Netzabdeckung nicht ideal ist oder auch dann immer noch nicht sein wird.
In meinen Augen sind daher Techniken und Methoden, die Ressourcen einsparen können, wie AMP-HTML, zukunftsorientiert und ein wichtiger Beitrag für die Mobile-Entwicklung.

SEOCouch: AMP wird u.a. dafür kritisiert, dass der Nutzer weniger mit der Website interagiert als zuvor. Blogs mögen das vielleicht hinnehmen, wie sieht es aber z.B. mit ecommerce aus?

Björn Staven: AMP steckt eigentlich noch in den Kinderschuhen. Im Laufe der letzten Jahre haben sich die Web-Nutzer an viele Webstandards gewöhnt, d.h. auf einer AMP-Seite werden dieselben oder zumindest ähnliche Funktionen erwartet, wie es auch auf den klassischen Seiten möglich ist.

„[Ich] befürchte, dass AMP am Ende das Ziel verfehlen könnte“

Mit dem aktuellen AMP-Stand gibt es da noch viele Einschränkungen, Stichwort Online-Shops oder die unzählige Menge an Drittanbieter-Widgets, die nicht alle AMP-kompatibel sind, wenn die AMP-Project-Community diese nicht extra in die AMP-Dokumentation mit aufnimmt. – Ich persönlich bin selbst gespannt, wie sich das Projekt in diese Richtung weiter entwickeln wird. Im Grunde befürchte ich allerdings, dass AMP am Ende das eigentliche Ziel verfehlen könnte und mit der Zeit genauso aufgeblasen wird wie die aktuellen Webstandards und der von AMP ressourcen-sparende Gedanke zwar grundsätzlich erhalten bleibt, aber dessen Effekt durch den bis dahin gewachsenen Umfang gegen Null geht, womit man am Ende dann wieder an derselben Stelle steht wie zuvor, nur mit dem Unterschied das sich für alle Programmierer die grundsätzliche Syntax geändert hat und die führende Sprache nun AMPHTML statt HTML heißt.

SEOCouch: AMP – Minimalismus oder Einheitsbrei?

Björn Staven: Nicht ohne Grund sind die bisherigen Webstandards auf Ihren aktuellen Umfang angestiegen und wenn man sich verschiedene Webseiten anschaut kann man erkennen, dass die herausragenden Webseiten zum Großteil auf eigenen Scripts basieren, die ganz individuell sind. Eine Seite wie Ebay zum Beispiel benötigt ganz andere Scripts, als eine Seite wie Zalando, die ebenfalls wieder ganz andere Scripts benötigen als eine Social-Media-Plattform, usw… In AMP könnte daher die Schwäche liegen, aufgrund der Einschränkungen, um die Ressourcen-Einsparungen zu ermöglichen, keine individuellen herausstechenden Projekte verwirklichen zu können, zumindest nicht ohne den Umfang der AMP-Möglichkeiten zu erweitern. Mehr Möglichkeiten bedeuten jedoch auch wieder mehr und aufwändigerer Programmcode, worunter dann wiederum das Sparen von Ressourcen leidet und am Ende im schlechtesten Fall dann wieder derselbe fressende Umfang herrscht wie aktuell in den klassischen Webstandards. Wenn das aber alles umgangen werden kann halte ich AMP für den nächsten großen Webstandard.

„Nutzer [können] daher nur überzeugt werden, wenn die einzelnen AMP-Webseiten den Nutzern in Usability und User Experience positiv auffallen“

SEOCouch: Was könnte die Entwicklung von AMP noch weiter vorantreiben?

Björn Staven: AMP muss allerdings noch die Nutzer überzeugen. Ich glaube viele Otto-Normal-User wissen gar nicht was AMP ist und warum solche Seiten besser sind. Meiner Ansicht nach können die Nutzer daher nur überzeugt werden, wenn die einzelnen AMP-Webseiten den Nutzern in Usability und User Experience positiv auffallen. Dies wiederum kann nur geschaffen werden, wenn Webdesigner mittels AMP die Möglichkeit haben Seiten zu bauen die in Art und Umfang keine Wünsche offen lassen.

„AMP könnte die Conversion-Rate steigern“

Viel Potenzial für AMP sehe ich noch bei Shop-Betreibern. Man weiß schon jetzt, dass jede Sekunde mehr Ladezeit negative Einflüsse auf die Conversion-Rate hat. Besseres Ladeverhalten durch AMP-Technologie könnte die Conversion-Rate steigern und somit den Umsatz eines Shops erhöhen. Das wird viele Shopbetreiber sicherlich brennend interessieren und die Hürde zur Investition in die Erstellung von AMP-Seiten verringern.“

SEOCouch: Vielen Dank für das Interview, Herr Staven.

Björn Staven: Ich danke ebenso.

Björn StavenBjörn Staven ist Gründer des AMP-WordPress-Plugins „AMP it up!“. Als Inhaber von deLuxeTuning.de beschäftigt er sich seit mehr als 16 Jahren (sein halbes Leben) mit dem E-Business-Tuning und agiert derzeit für die Kieler Nachrichten im Bereich Portalmanagement als SEO, SEA und Webanalyst. Von Beginn an befasst er sich mit Performance-stärkenden Methoden, um Unternehmen im digitalen Business zu unterstützen und effizienter zu gestalten.

Die Zukunft von AMP
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Marcus Krautkrämer
Marcus Krautkrämer () ist als Digital Consultant für den Auf- und Ausbau der SEO- & Digital-Strategien innerhalb der mediaworx berlin AG verantwortlich. Im Fokus seiner Recherchen stehen die Themen Versicherungen und Finanzen.
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